Rischer Musikbewegung vor 1917
Aufzeichnungen aus den Jahren um 1620 herum lassen erkennen, dass die damaligen Regenten des Zugerlandes reichlich Geld für lärmende Musikunterhaltung am Landsgemeindesonntag ausgaben. Aus den Regionen Luzern, Zürich und Aargau liessen sich solche „Spielleute" und ihre helfenden „knaben" mit ½ bis 1½ Gulden vom Säckelmeister entlöhnen. Das Trommeln und Pfeifen der Alten am Landsgemeindesonntag weckte die Jungmannschaft zur Nachahmung. 1650 fand dies aber der Stadt- und Amtsrat als zu weit getrieben, und er verbot das Trommeln und Pfeifen des „jungen Geschwanders und Gesindels" an der Landsgemeinde. So verschwanden die von allen Seiten hergelaufenen „Spielleute" von der Bildfäche. Es war das die Zeit, wo sich in den Gemeinden allmählich organisierte Blechmusikgesellschaften zu bilden begannen, was eine bessere musikalische Bildung mit sich brachte.Die Zuger Regierung nahm gerne diese Förderung des musikalischen Lebens wahr und war rechtzeitig dabei, diese Besserung im gesellschaftlichen Leben auch für das Volksfest der Landsgemeinde nutzbar zu machen. Aus den Staatsrechnungen der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts ist zu erfahren, dass Jahr für Jahr zugerische Musikvereine für ihre Beteiligung am 1. Maisonntag in Zug entlöhnt wurden. Eine der letzten dieser Gesellschaften erschien mehrere Jahre lang aus Risch. (Nach Zuger Kalender 1923)
Von dieser Musikgesellschaft Risch existiert im Pfarrarchiv ein Rechungs- und Protokollbuch, das den Zeitraum von 1828 bis 1871 umfasst. 1828 ist aber sicher nicht das Gründungsjahr, denn den Kirchenrechnungen ist zu entnehmen, dass seit dem Jahre 1800 neben dem Organisten und den Sängern neu auch Musikanten entschädigt wurden. Die Direktion der Musikgesellschaft übten während des gesamten Zeitraumes die jeweiligen Kapläne von Risch aus. Zufällig ist das Jahr 1800 aber nicht, denn seit 1799 versah Kaspar Lutiger (1761-1834) von Buonas die Kaplanei in Risch. Vorher war er während Jahren Kantor in Solothurn gewesen und damit mit der mehrstimmigen Musik sehr vertraut, ja die mündlichen Überlieferung sagt ihm sogar Kontakte zu W.A.Mozart nach. Einen Grundstock für diese Musikgesellschaft fand Kaplan Lutiger in seiner näheren Verwandtschaft. Ein trauriger Unglücksfall überliefert uns diese Musikbesessenheit der Lutiger. Am 24. September 1817 ertranken drei Vetter und eine Cousine in den Fluten des Zugersees. Bei der Rükkehr vom Markt in Walchwil drang von allen Seiten, vom hereinbrechenden Nordwind begünstigt, in das überladene Marktschiff Wasser ein. Das Schiff sank 60 Schuh vor dem Ufer Buonas.
Mit dem Einsetzen des erwähnten Protokoll- und Rechnungsbuches begegnet uns eine andere musikbegeisterte Familie, die Wiss vom Freudenberg, welche die Kirchenmusik und -gesellschaft aktiv förderten. Alle Musikanten zahlten jeweils ein Monatsgeld von einem halben Batzen und für versäumte Proben und Aufführungen ein Strafgeld. Aufgrund dieser Strafen lässt sich das um 1830 bestehende, 14-köpfige Musikkorps namentlich rekontruieren:
Kaplan Kaspar Lutiger, Direktion
Josef Wiss, Freudenberg, 1.Schreiber
Josef Meier, Unterrüti, 2.Schreiber
Jakob Stuber, Dersbach, Kassier
Beat Jakob Lutiger, Holzhäusern
Alois Schriber, Organist
Karl Schlumpf, Schloss Buonas
Josef Zimmer
Moritz Degen, Binzmühle
Balz Stuber
Lunzi Schriber
Franz Sidler
Jakob Schlumpf
Kaspar Schlumpf
Ganz klar ergibt sich aus den Rechnungen, dass man nicht nur die Kirchenmusik, sondern auch die Feldmusik pflegte, ja sogar mit dem Schiff oder zu Fuss auswärts spielen ging. 1834 in Zug, 1836 in Baar, 1838 in Gisikon und Kleindietwil. 1841 begleitete man die Schützengesellschaften von Udligenswil, Meierskappel und Risch mit Feldmusik von Holzhäusern an die Wart nach Hünenberg. Da das Spielen von Blasmusik bekanntlich Durst erzeugt, sind uns sogar ausdrücklich zwei Feldmusikproben erhalten geblieben: 1838 bei Josef Lutiger in Holzhäusern und 1844 bei Peter Meier im "Anker" (heute Katharinenhof, Holzhäusern)
Nach 1845 wandte man sich wieder vermehrt der Kirchenmusik zu. Ab 1853 probte man jeweils am zweiten Sonntag jeden Monats und erhöhte das Strafgeld auf zwei Batzen. Die notwendigen Noten musste man von Hand kopieren, was über viele Jahre Werner Holzmann besorgte. Dieser betätigte sich auch als Komponist verschiedener Kirchenmusikalien.
Mit der Eintragung der Rechnung 1865/68 vom 23. Januar 1871 schliesst das Rechnungsbuch. 1877 gällt der noch existierenden Musikgesellschaft aus dem Nachlass von Kaplan Gretener in Holzhäusern ein Sparkassentitel von Fr. 150.- zu, der fortan immer wieder als sogenannter Musikfonds auftaucht.. Aber die musikalische Tätigkeit war erlahmt, so dass die Rechnungsbücher, dier Kassensoldo und der erwähnte Sparkassengutschein beim Kirchenrat bis zur Konstitution eines neuen Kirchenmusikvereins hinterlegt wurden. Die Musikliteratur überginge bereits 1861 ins Eigentum der Kirche Risch.
Mitte 1880 kam es dann zur Gründung eines ausschliesslich der Kirchenmusik verpflichteten Cäcilien-Musikvereins. Gemäss Statuten gehörten ihr u.a. auch die bisherigen Mitglieder der Musikgesellschaft an, sofern sie sich dem Cäcilienverein anschliessen wollten. Diese Statuten werden am 5. Februar 1881 vom Kirchenrat genehmigt und am Tage danach wurden die Rechtstitel aus dem Nachlass der ehemaligen Musikgesellschaft dem Cäcilienverein ausgehändigt. Der heutige Kirchenchor Risch ist somit der Rechtsnachfolger der ehemaligen Musikgesellschaft.
Das Einwohnerratsprotokoll vom 21. Januar 1888 erwähnt dann erneut eine Neugründung eines Musikvereines, dessen Direktion Lehrer Josef Nier von rotkreuz innehatte. 1889 verliess aber Josef Nier Rotkreuz, doch offenbar blieb diese Blasmusik bis in unser Jahrhundert hinein aktiv. Schriftliche Notizen finden sich aber davon keine weiteren.

Vetterkapelle Rotkreuz 1891
Josef Schwerzmann-Schwarzenberger, Josef Schwerzmann, Adolf Schwarzenberger
Kandid Schwarzenberger, Hermann Schwarzenberger, Josef Kost-Schwerzmann